Samstag, 29. Juni 2013

26. Februar 2003 - Aufstieg auf den Uhuru Peak

Wir packen unsere Sachen, trinken Tee und essen Kekse. Ali kommt vorbei und sagt „Halloouuh“.

24:00 Uhr Gratulation zu meinem 40. Geburtstag. Uns steht ein höllisch anstrengender, aber auch sehr beeindruckender Tag bevor. Abmarsch 0:12 Uhr. Zu dieser Zeit gehen auch die meisten anderen Gruppen, so dass am Berg eine Kette von Lichtern sichtbar ist. Ali läuft wie immer langsam und ohne Pause. So werden wir gelegentlich überholt und überholen pausierende Gruppen. Zuerst geht es durch eine felsige Landschaft recht gut zu laufen. Bis 5000 Meter geht alles gut, wir waren alle noch recht gut drauf, auch meine Kopfschmerzen sind weg. Herrliches Panorama: 4500 Meter unter uns liegt Moshi erleuchtet, über uns klarer Sternenhimmel, die Milchstraße und die liegende Mondsichel. Ab 5000 Meter wurde es hart (Luftmangel). Uns kamen schon einige Umkehrer entgegen. Wassja und ich befanden uns in einer Art Dämmerzustand, man war müde und spürte die Belastung nicht mehr. Es war so, als würde man sich selbst von fern beobachten. Ab 5500 Meter wurde es dann zur Hölle. Wassja hatte totale Probleme mit der Luft. Die Gruppe riss auseinander. Vorn Ali mit Andreas, hinten Wassja und Mali. Mali hat sich übergeben, wollte fast umkehren. Der Führer hat ihn zum Weitergehen überredet.
Der Weg wird zusätzlich sehr anstrengend, ca. 45° steiler Schuttkegel. Ich mache immer einen großen Schritt, die Hände auf die Knie gestützt, und dann gebeugt 2 tiefe Atemzüge. Es hat fast die Lunge zerrissen, -15°C. Wir sind wie Roboter hinter Ali her, hatten jedes Gefühl für Zeit und Raum verloren. Um 6:00 Uhr waren wir am Stella Point (Ali / Andreas). Dann kam Wassja, legte seinen Mageninhalt ab, während Ali gemütlich eine Zigarette „Sportsman“ qualmt. Nach einigen Minuten kam auch Mali, er sah ziemlich schlimm aus. Herrliches Panorama. Krater, unter uns die Wolkendecke, Gletscher, die Sonne geht über dem Mawenzi auf. Kurze Fotosession, dann weiter zum Uhuru Peak.
Leider kann man die Eindrücke nicht mehr voll bewusst wahrnehmen, da wir durch die Höhe ziemlich angeschlagen sind (ich denke, wir sind zu schnell aufgestiegen, 1 – 2 Tage mehr Akklimatisierung wären nicht schlecht gewesen). Wir umrunden ca. ¼ des Kraters, vorbei am Gletscher (links), rechts liegt der Krater, ca. 150 Meter tief. Gegen 7:15 Uhr sind wir am Uhuru Peak (5896 Meter), total fertig, selbst auf der Geraden war jeder Schritt eine Qual. Wassja geht es von allen offenbar am besten. Der Peak ist enttäuschend, eine Menge Leute und als Gipfel nicht unbedingt zu erkennen. Schnell ein paar Fotos und dann zurück. Ali drängt zur Eile, da wir zunehmend verfallen und dringend tiefer müssen. Wir taumeln zurück zu Stella Point und rennen dann fast wie um unser Leben den Schuttkegel runter. Mali sieht aus wie eine Leiche, macht alles nur noch mechanisch.
Kurz vor 9:00 Uhr sind wir im Lager, total fertig, aber es geht uns wieder besser, da wir nur noch auf 4550 Meter sind. Auf diese Höhe sind wir wahrscheinlich schon sehr gut angepasst. Wir legen uns eine Stunde ins Zelt, danach gibt es Tee und was zu essen. Dann packen wir die Sachen und 11:30 Uhr beginnt der Abstieg. Zuerst kahle Felsen, ab ca. 4000 Meter die erste Vegetation. Der Weg ist ziemlich steil, doch wie freuen uns, dass wir tiefer kommen. Ab 3500 Meter kann man wieder richtig atmen und die Luft riecht würzig.

Wir sind alle wieder 100 % regeneriert. Kurze Rast am Millenium-Camp, dann weiter auf gut ausgebautem Weg durch zunehmend dichte Wälder zum Mweka-Camp (2900 Meter). Dort gibt es eine Runde Bier für die Träger und Abendessen. Außerdem schneiden wir unseren Schinken an. Hartmut ist nach Moshi abgestiegen. Erstaunlich, wie schnell wir uns erholt haben. Auch die 3000 Höhenmeter Abstieg haben wir recht gut hinter uns gebracht.


View Larger Map