Wir packen
unsere Sachen, trinken Tee und essen Kekse. Ali kommt vorbei und sagt
„Halloouuh“.
24:00 Uhr
Gratulation zu meinem 40. Geburtstag. Uns steht ein höllisch anstrengender,
aber auch sehr beeindruckender Tag bevor. Abmarsch 0:12 Uhr. Zu dieser Zeit
gehen auch die meisten anderen Gruppen, so dass am Berg eine Kette von Lichtern
sichtbar ist. Ali läuft wie immer langsam und ohne Pause. So werden wir
gelegentlich überholt und überholen pausierende Gruppen. Zuerst geht es durch
eine felsige Landschaft recht gut zu laufen. Bis 5000 Meter geht alles gut, wir
waren alle noch recht gut drauf, auch meine Kopfschmerzen sind weg. Herrliches
Panorama: 4500 Meter unter uns liegt Moshi erleuchtet, über uns klarer
Sternenhimmel, die Milchstraße und die liegende Mondsichel. Ab 5000 Meter wurde
es hart (Luftmangel). Uns kamen schon einige Umkehrer entgegen. Wassja und ich
befanden uns in einer Art Dämmerzustand, man war müde und spürte die Belastung
nicht mehr. Es war so, als würde man sich selbst von fern beobachten. Ab 5500
Meter wurde es dann zur Hölle. Wassja hatte totale Probleme mit der Luft. Die
Gruppe riss auseinander. Vorn Ali mit Andreas, hinten Wassja und Mali. Mali hat
sich übergeben, wollte fast umkehren. Der Führer hat ihn zum Weitergehen
überredet.
Der Weg wird
zusätzlich sehr anstrengend, ca. 45° steiler Schuttkegel. Ich mache immer einen
großen Schritt, die Hände auf die Knie gestützt, und dann gebeugt 2 tiefe
Atemzüge. Es hat fast die Lunge zerrissen, -15°C. Wir sind wie Roboter hinter
Ali her, hatten jedes Gefühl für Zeit und Raum verloren. Um 6:00 Uhr waren wir
am Stella Point (Ali / Andreas). Dann kam Wassja, legte seinen Mageninhalt ab,
während Ali gemütlich eine Zigarette „Sportsman“ qualmt. Nach einigen Minuten
kam auch Mali, er sah ziemlich schlimm aus. Herrliches Panorama. Krater, unter
uns die Wolkendecke, Gletscher, die Sonne geht über dem Mawenzi auf. Kurze
Fotosession, dann weiter zum Uhuru Peak.
Leider kann man die Eindrücke nicht mehr voll bewusst
wahrnehmen, da wir durch die Höhe ziemlich angeschlagen sind (ich denke, wir
sind zu schnell aufgestiegen, 1 – 2 Tage mehr Akklimatisierung wären nicht
schlecht gewesen). Wir umrunden ca. ¼ des Kraters, vorbei am Gletscher (links),
rechts liegt der Krater, ca. 150 Meter tief. Gegen 7:15 Uhr sind wir am Uhuru
Peak (5896 Meter), total fertig, selbst auf der Geraden war jeder Schritt eine
Qual. Wassja geht es von allen offenbar am besten. Der Peak ist enttäuschend,
eine Menge Leute und als Gipfel nicht unbedingt zu erkennen. Schnell ein paar
Fotos und dann zurück. Ali drängt zur Eile, da wir zunehmend verfallen und
dringend tiefer müssen. Wir taumeln zurück zu Stella Point und rennen dann fast
wie um unser Leben den Schuttkegel runter. Mali sieht aus wie eine Leiche,
macht alles nur noch mechanisch.
Kurz vor 9:00 Uhr sind wir im Lager, total fertig, aber es
geht uns wieder besser, da wir nur noch auf 4550 Meter sind. Auf diese Höhe
sind wir wahrscheinlich schon sehr gut angepasst. Wir legen uns eine Stunde ins
Zelt, danach gibt es Tee und was zu essen. Dann packen wir die Sachen und 11:30
Uhr beginnt der Abstieg. Zuerst kahle Felsen, ab ca. 4000 Meter die erste
Vegetation. Der Weg ist ziemlich steil, doch wie freuen uns, dass wir tiefer
kommen. Ab 3500 Meter kann man wieder richtig atmen und die Luft riecht würzig.
Wir sind alle wieder 100 % regeneriert. Kurze Rast am
Millenium-Camp, dann weiter auf gut ausgebautem Weg durch zunehmend dichte
Wälder zum Mweka-Camp (2900 Meter). Dort gibt es eine Runde Bier für die Träger
und Abendessen. Außerdem schneiden wir unseren Schinken an. Hartmut ist nach
Moshi abgestiegen. Erstaunlich, wie schnell wir uns erholt haben. Auch die 3000
Höhenmeter Abstieg haben wir recht gut hinter uns gebracht.
View Larger Map