Samstag, 29. Juni 2013

19. Februar 2003 - Anreise nach Nairobi

Alle halten sich an die vereinbarten Zeiten. Kurz nach 01:00 Uhr fahren wir, nachdem wir uns von Jana und Sandra verabschiedet haben, mit dem gecharterten VW-Bus, der von Micha - einem Kollegen von Mali - gelenkt wird, los. Nach kurzer Fahrt durch das nächtliche Chemnitz lesen wir auf der Weststrasse Mali und Hartmut auf. Die Truppe ist komplett.
Das Wetter spielt mit, die Autobahn ist trocken.
Wir stimmen uns langsam auf unsere Reise ein.
Urplötzlich muss Mali, der das Steuer übernommen hat, stark abbremsen. Der Grund: unsere Fahrbahn war nicht mehr vorhanden. Nach schneller Analyse ist klar; ein LkW war von der Gegenfahrbahn gegen die provisorische Leitplanke geknallt und hatte diese vollständig an die gegenüberliegenden Leitplanke geschoben. Hierbei hat er eine Golf fast vollständig zwischen den Leitplanken eingeklemmt. Wir ahnen Unheil und überlegen, was zu tun ist. Es finden sich ein paar Leute, die versuchen, die Leitplanke wieder in die Mitte zu ziehen, um eine Durchfahrt zu ermöglichen. Es gelingt uns wider Erwarten. Nun schnell noch das eingeklemmte, nun wieder befreite Auto an den Rand fahren, was Mali übernimmt, und wir können weiter Richtung Flughafen. Glück gehabt!
Gegen 04:45 Uhr kommen wir in München / Flughafen an. Wir schlagen die Zeit bis zum Abflug 07:15 Uhr Richtung Brüssel tot.
Der Flieger startet pünktlich, ebenso landet er.
Der Zubringerflug ist ausgebucht. Wir stellen fest, dass dies auch der Grund dafür war, dass die Verbindung nach Nairobi via Brüssel schon frühzeitig ausgebucht war. Der A330, der uns nach Nairobi bringt, ist dagegen halb leer. Es fliegen im übrigen auch eine Menge Afrikaner mit. Der Flug startet pünktlich um 10:45 Uhr. Die Stewardessen versorgen uns gut und lesen uns fast jeden Wunsch von den Lippen ab.
Später fragt mich eine Schwarze 4 Reihen hinter mir, ob ich versuchen könnte, ihr Gepäckfach zu schließen. Wegen meiner handwerklichen Fähigkeiten konnte ich ihr nicht helfen.
Schade, dass alle 5er Reihen in Flugzeugen schon mit einzelnen Personen belegt sind, alle wollen den langen Flug verschlafen. Gegen 19:30 Uhr dämmert es kurz und die Nacht ist da. Dann auch schon die Zwischenlandung in Enktebe (Uganda). Hier steigen ein paar Leute aus und ein paar mit dem Ziel Brüssel via Nairobi ein. Der Rest wird in Nairobi zusteigen. Es scheint, als wäre dies auch unsere Rückflugvariante. 22:20 Uhr landen wir.
Am Checkpoint sitzt eine freundliche Schwarze und schwatzt mit uns. Wir erzählen ihr von unseren Reiseabsichten. Sie fragt, ob wir ihr Englisch gut verstehen und das Kenia auch ein schönes Land sei und wir auch mal nach Kenia kommen sollten. Unsere Annahmen sind bisher davon ausgegangen, das wir das Flugplatzgelände über Nacht verlassen müssen. Ich spreche einen schwarzen Bediensteten an und erkläre ihm unsere Planung und wir fragen, ob wir bis zur Busabfahrt morgen früh im Gelände bleiben können. Die Kenianer sind sehr freundlich und unterhalten sich völlig unbefangen mit uns. Im Gebäude zu übernachten ist kein Problem. Wir fragen nach dem Office der Buslinie, die wir morgen für unsere Fahrt nach Tansania / Moshi nehmen wollen. Obwohl unsere Ankunft die letzte für heute war, hat das Office nach Aussage des schwarzen Bediensteten noch offen. Moos und ich übernehmen den Erwerb der Tickets.
Da wir den Transitraum verlassen müssen, ist noch eine Absprache mit dem Wachmann notwendig, damit wir wieder rein können. Hartmut und Mali schlagen derweil das Nachtlager auf. Kaum haben wir den Transitraum verlassen, kommen jede Menge Schwarze auf uns zu und wollen uns alles mögliche anbieten. Taxifahrten, Hotels, Transfer nach Tansania usw.
Wir erwähnen kurz den Namen Bus-Company, als uns plötzlich 6-7 Schwarze umringen und uns in den 2. Stock ins Office bitten. Einer stellt sich als Chef heraus und wir erklären ihm unser Ziel. Wir sind uns schnell einig. 45 US$ für jeden von uns. Er schreibt uns eine Quittung und gibt das Wechselgeld zurück. Wir verabschieden uns bis zum Morgen 08:30 Uhr. Moos und ich gehen nochmal kurz an die frische Luft, als wir Paul den Taxifahrer kennenlernen. Paul möchte uns gern in ein Hotel bringen und mit dem Taxi fahren. Wir erklären ihm, dass wir im Flughafen übernachten wollen und sagen „Tschüss“.

Mali und Hartmut haben den Platz für die Nacht hinter einem Schalter der SWISS AIR gefunden. Wir blasen unsere Isomatten auf und machen uns schlaffertig. Hartmut und ich schieben die Kopfenden unserer Matten unter den Schreibtisch, damit es etwas dunkler wird. Nachdem uns 2, 3 Bedienstete, die vorbeikamen, „good night“ gewünscht haben, schlafen wir. Und das wider Erwarten ganz gut.